Kirche

Kirche

PDF Drucken
Beitragsseiten
Kirche
Kirchenbau und Ausstattung
Josef Elter
Alle Seiten
„Wenn wir also eine Kirche bauen und sie mit Bildern schmücken, die uns Wahrheiten des Glaubens und christlichen Lebens vor Augen halten, kann da ein Übernehmen der Tradition genug sein! Wo Leben und lebendiges Bemühen ist, muss  notwendig auch neue Ausdrucksform werden. …. Was haben wir versucht? Hinhorchend auf unsere Zeit und ihr neues Bemühen, lebendig zu glauben – und wissend, dass Altes und Gewohntes unser Volk zu lebendigem Glauben zu bringen vermag, haben wir eine Kirche gebaut, in der jeder zu dem finden möge, was uns Not tut: Zur lebendigen Begegnung mit Gott.“
(aus: Einleitung u. Erklärung zum Kirchenbau von Josef Elter)
„Das Äußere der Kirche sagt uns: Tradition entbindet uns nicht von der Pflicht, alles wieder neu zu beginnen. Jede Generation muss ihren Nachfahren ein Zeugnis der eigenen geistigen Entwicklung hinterlassen“.

Der Ort Traunstein

TraunsteinDie Marktgemeinde Traunstein liegt auf ca. 911m Seehöhe im südlichen Waldviertel, Bezirk Zwettl, am Übergang des Weinsberger Waldes zum Kamp-Kremser Hochland. Der industriefreie Ort ist geprägt von imposanten Steinformationen im reichen Waldgebiet und von der weithin sichtbaren Kirche. Der Aussichtspunkt am Wachtstein (948m Seehöhe) lässt atemberaubende Fernsicht zu Schneeberg, Ötscher und anderen näher oder ferner gelegenen Gipfeln zu. Traunstein lädt zu Wanderungen ein, zum Verweilen und Staunen in der besonderen Atmosphäre aus dem Zusammenspiel der zauberhaften Umgebung  mit dem künstlerischen Vermächtnis des früheren Pfarrers Josef Elter, das vor allem in der Kirche und im Ausstellungszentrum seinen Ausdruck findet.

Aus der Geschichte der Pfarre und der Pfarrkirche

Die frühesten Nennungen zur Geschichte Traunsteins, wo bereits eine romanische Kirche stand, gehen zurück ins Jahr 1321. In einer Kaufurkunde sind die Namen von Orten in der unmittelbaren Umgebung zu finden.
Traunstein selbst wird 1361 erstmals urkundlich erwähnt. Aus dieser Zeit stammen die alte Sakristei mit Kreuzgewölbe (jetzt Ikonenkapelle im alten Teil der Kirche) und der Kirchturm. Traunstein wird 1371 zwar noch nicht als Markt, aber als Pfarre und Sitz eines Landesgerichts genannt.
In der Abschrift einer Urkunde aus der Mitte des 14. Jh. wird eine Aufstellung der in den fünf  Dekanaten unter der Enns angelegten Pfarren berichtet, in der auch Traunstein genannt wird. Trotz Forderung des Abtes von Kremsmünster kam das Patronat von Traunstein an die Herrschaft Rappottenstein, welche es bis 1969 ausübte. Die erste Nachricht über Marktgerechtigkeit und Pfarrschule stammen aus dem Jahr 1580, eigene Gerichtsbarkeit und ein Kirchtag werden erwähnt.
Die Gerichtsversammlung des späteren Dorfgerichts fand auf dem Platz vor dem Pranger statt, der bis 1840 auf dem Marktplatz stand und nach längerer Abwesenheit seit 1964 wieder dort zu sehen ist.
1520 wurde die Kirche in Traunstein spätgotisch renoviert, wovon eine Jahreszahl in einem steinernen Querbalken zeugt. Bei den Arbeiten zum Kirchenneubau kamen gotische Bauelemente zum Vorschein, die bei früheren Umbauten einfach als Baumaterial eingemauert wurden.
Ab 1636 beginnt in Traunstein die genauer dokumentierte Zeit des Pfarrlebens: Taufen, Trauungen und Todesfälle werden registriert. Von 1636 – 1698 wird die Pfarre Schönbach der Pfarre Traunstein als Filiale angeschlossen. Die Barockisierung der Pfarrkirche erfolgte in den Jahren um 1726 -1730, diverse Umbauarbeiten und die Kosten für Arbeiten am neuen Hochaltar werden bis ins Jahr 1739 erwähnt.
1845 wird die Pfarrchronik angelegt und bedeutende Ereignisse für den Pfarrort festgehalten. So die Bauten der Kapellen von Stein (1852), Haselberg (1892), Dietmanns (1893), Biberschlag (1894) und die Weihe der Kapellen in Aschen und Spielberg (1894). Aus dem Kirchen-Inventarium wurden 1867 gemeldet: 2 Beichtstühle und 50 Kirchenstühle verschiedener Länge, 37 im Kirchenschiff und Presbyterium und 13 auf dem Musikchor, was schon die Notwendigkeit zur Erweiterung der Kirche ahnen lässt.
Mit Josef Elter kam 1957 ein junger Seelsorger in die Pfarre, der die Vergrößerung der Pfarrkirche, den nun ersichtlichen Neubau, gemeinsam mit der Pfarrbevölkerung in den Jahren 1959 – 1962 anregte und gestaltete.
Am 7. Oktober 1962 erfolgte die Kirchweih durch Bischof Franz Zak.
Kircheneingang Kirche

ZUR EINSTIMMUNG: MENSCH und KIRCHENRAUM

Als Jaakow Jizchak drei Jahre alt war, lief er oft aus dem Lehrstübl davon, wofür ihn sein Lehrer bestrafte. Eines Tages folgte er ihm in den Wald – heimlich natürlich – und hörte ihn beten: „Höre Israel, Gott ist Unser Gott.“ Erst da hörte der Lehrer auf, ihn zu bestrafen. „Warum verschwendest du deine Zeit im Wald?“ fragte der Lehrer. „Ich suche Gott“, sagte der Dreijährige. „Ist Gott denn nicht überall?“, fragte der Rabbi, „und ist er nicht überall derselbe?“ „Er schon, aber ich nicht“, antwortete das Kind.

So sehr Gottes Ort die Welt in ihrer Weite und Offenheit ist, so sehr brauchen Menschen geprägte und herausgehobene Orte, an denen sie allein oder in der Gemeinschaft mit anderen Gott suchen und finden können. Der Gott, der überall derselbe ist. Zu dem sie kommen und sagen können: „Gott ist überall derselbe, aber ich nicht.“
Menschen nützen Kirchen, um Abstand zu gewinnen, ruhig zu werden, sich in Stille auszusprechen oder einfach vor Gott da zu sein, den Kirchenraum in seiner Weite zu genießen, Trost zu finden u. v. m. Der Raum der Kirchen öffnet Herzen, die Gottesbeziehung kann zum Mittelpunkt der Gegenwart werden und sich entfalten.

Kirche ist geprägt durch ihren speziellen Baustil, aber auch durch die Geschichte der Menschen, des Ortes, der Gemeinde vor uns, durch deren Gebete, Gottesdienste und Frömmigkeit. Somit werden der Kirchenbau und die Ausgestaltung der Kirche über ihren materiellen Wert hinausgehoben und Zeichen einer anderen Wirklichkeit. Der reale Kirchenraum ermöglicht, über das Künstlerisch-Architektonische hinaus, religiöse Wahrnehmung. Das Suchen nach Gottesbegegnung und Erfahrung des „ganz Anderen“ ist keine Flucht aus der Welt, sondern vielmehr behutsame, leise Annäherung an das Geheimnis der Welt und die Quelle des Lebens.
Romano Guardini meint in einem Text, „das echte religiöse Kunstwerk sei seinem Wesen nach ein Weg“. Mit „Weg“ ist die geistige Struktur gemeint, die das Kunstwerk ausdrückt und spürbar macht, die menschlichem Wahrnehmen und Denken eine Richtung weist, sie ein Stück weit führt und begleitet. Im Symbol des Weges wesentlich inbegriffen sind Bewegung, Unterwegs-Sein, Ungewissheit, Spannung, Ausgerichtet- und Hingewendet-Sein. Wenn nun der Charakter des Weges fraglich wird, die Bewegung nicht mehr spürbar wird und im Werk zum Stillstand kommt, ist das Kunstwerk in Gefahr. Umgesetzt auf den Kirchenbau bedeutet dies, sich immer wieder auf die Frage nach der Rolle des liturgischen Raumes und seiner Weiterentwicklung einzulassen, um die liturgische Feier zu unterstützen und die Gegenwart Gottes in der Gemeinde, auch durch die sensible Gestaltung des Gottesdienstraumes immer neu erfahrbar zu machen.


 
Sitemap | Impressum | Kontakt | Suchen | Newsfeed